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21.02.2011
Bezug nehmend auf die vielen Anfragen zum Thema Alkoholbeimischung im Kraftstoff (E10) haben wir uns um eine verbindliche Aussage zu den an unserem Flugzeug verwendeten Materialien und Bauteilen bemüht. Konkrete und belastbare Informationen sind zu diesem Thema nur schwer zu bekommen.

Uns liegen bis jetzt noch keine negative Langzeit Erfahrungen an unseren Flugzeugen vor, was uns aber in keiner Weise in Sicherheit wiegen darf.

Wir empfehlen daher dringend auf den Einsatz von Kraftstoffen mit mehr als 5% Bio- Alkoholbeimischung zu verzichten da die Langzeitwirkung auf die eingesetzten Materialien von uns definitiv nicht eingeschätzt werden kann und wir einen störungsfreien Betrieb nicht gewährleisten können.

Zum besseren Verständnis der technischen und politischen Zusammenhänge nachfolgend eine
Stellungsnahme des Luftsportgerätebüros vom 19.01.2011:


Bioalkohol im Sprit :

Seit dem 1. Januar 2011 müssen Tankstellen Kraftstoffe mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Bioalkohol (E 10) anbieten, das bedeutet eine Verdoppelung des bisher zulässigen Alkoholgehaltes von fünf Prozent. Zu hohe Anteile von Methanol oder Ethanol im Kraftstoff können im Flugbetrieb Probleme verursachen.
Mit einem unverbindlichen Safety Information Bulletin (SIB) wendet sich die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) an die Eigentümer und Halter von Luftfahrzeugen, die Autokraftstoffe für ihr Luftfahrzeug, gleich ob Motorflugzeug, Motorsegler oder Ul, nutzen. Seit dem 1. Januar 2011 müssen Tankstellen Kraftstoffe mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Bioalkohol (E 10) anbieten, das bedeutet eine Verdoppelung des bisher zulässigen Alkoholgehaltes von fünf Prozent. Zu hohe Anteile von Methanol oder Ethanol im Kraftstoff können im Flugbetrieb Probleme verursachen. Weniger der Motor, aber mehr alle mit dem Kraftstoff in Kontakt kommenden Bauteile, beispielsweise Filter, Pumpen, Schläuche und Messgeräte, können Schaden nehmen. Der Bundesausschuss Technik (Technische Kommission) warnt davor, andere als für das Luftfahrzeug genehmigte Kraftstoffe zu tanken. Das Luftsportgeräte-Büro weist ausdrücklich darauf hin, dass auch Halter von Ultraleichtflugzeugen von ihren Herstellern prüfen lassen sollten, ob mit Bioalkohol vermischter Kraftstoff für den Betrieb ihres ULs erlaubt und geeignet ist.

Anlass für das SIB ist die Umsetzung der Europäischen Direktive 2003/30/EC „Förderung der Nutzung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor".
Bei der Verwendung von Kraftstoff mit Methanol oder Ethanol können nach Informationen der EASA folgende Probleme auftreten:
• Erhöhtes Risiko für Dampfblasenbildung aufgrund der unterschiedlichen Flüchtigkeit der Kraftstoffe.
• Das Material im Kraftstoffsystem, beispielsweise Schläuche und Dichtungen, kann durch Methanol/Ethanol angegriffen werden und sich auflösen.
• Der Kraftstoff kann sich in eine alkoholreiche wässrige Phase und eine alkoholarme Kohlenwasserstoff-Phase trennen. Das kann vermehrt auftreten, wenn der Kraftstoff kalt ist und Wasser aufgenommen hat, beispielsweise bei Flügen im Hochgebirge.
• Die Kraftstoffvorratsanzeigen können irreführend sein. Der Verbrauch von Kraftstoff steigt, wenn ein großer Anteil Bioalkohol beigemischt ist.

Die EASA empfiehlt Eigentümern und Haltern betroffener Flugzeuge zu prüfen, ob das Flugzeug für den Betrieb mit Mogas mit einer Beimischung von Methanol und/oder Ethanol genehmigt ist. Falls gemischter Kraftstoff nicht erlaubt ist, darf nur der Autokraftstoff getankt werden, der nachweislich keinen Alkohol enthält. (Bescheinigung vom Lieferanten oder Test des Alkohol-Anteils). Wenn das Flugzeug für den Betrieb mit Mogas mit Beimischung zugelassen ist, muss bei der Kraftstoffplanung beachtet werden, dass dieser Kraftstoff einen geringeren Energiegehalt hat und sich damit der Kraftstoffverbrauch erhöht.

Im Zweifelsfall kann ein Pilot selbst die Zusammensetzung des Kraftstoffes überprüfen. Die Firma Maul bietet ein Testequipment an. Alternativ kann mit einer vereinfachten Methode entsprechend dem (SAIB) CE-07-06 der FAA der Alkoholanteil bestimmt werden. Vorerst sollen, nach Informationen der Mineralölkonzerne, keine „Ultimate“-Kraftstoffe mit Bioalkohol gemischt werden.
Die EASA weist auf die Probleme hin, hält aber eine Lufttüchtigkeitsanweisung (AD) nach der VO (EG) 1702/2003, Teil 21A.3B für nicht gerechtfertigt. Der Bundesausschuss Technik steht seit Jahren mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und der EASA zu diesem Thema in Kontakt. Ein detaillierter Forschungsbericht zu diesem Thema ist auf der EASA-Website veröffentlicht.

Das Luftsportgeräte-Büro empfiehlt UL-Piloten, bei der Verwendung des neuen Kraftstoffs kontinuierlich zu kontrollieren, ob tatsächlich alle Komponenten die Alkoholbeimischung vertragen. Erfahrungen, Unregelmäßigkeiten oder Probleme bitte dem Luftsportgeräte-Büro per E-Mail an
melden.

Letzter Hinweis: Da die Beimischung von Bioalkohol auf einer EU-Vorgabe beruht, betrifft der Hinweis ganz besonders Flüge in das EU Ausland, da dort die Prozentsätze der Beimischungen komplett unterschiedlich sein können. Es ist zwingend erforderlich, sich vor einem Flug in die EU Nachbarländer schlau zu machen.



COMCO IKARUS Team



   
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